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  (13.03.2014)

Nächste Hiobs-Botschaft für Schiffsfondsanleger: Beluga-Investor droht mit der Pleite des Unternehmens.

Erfurt, 14. März 2011. Die Frachtschifffahrt steckt in der Krise und mit ihr tausende Anleger. Auch vor der Bremer Projekt- und Schwergutreederei Beluga Shipping GmbH macht dieser Trend nicht halt. Das Unternehmen, das weltweit 15 Niederlassungen betreibt, gerät durch den Einbruch der Frachtraten offensichtlich  in massive Finanznöte. Der amerikanische Investor Oaktree, der mittlerweile 49,5 Prozent der Beluga-Anteile hält, droht nun mit der Pleite des Unternehmens. Emissionshäuser und Banken wurden aufgefordert, ihre Forderungen aus Krediten und die Charterraten zu reduzieren. Geschehe das nicht, werde die Beluga Insolvenz anmelden müssen. Davon wären mehr als 30 Fonds von mindestens fünf Emissionshäusern und tausende Anleger betroffen. 

Bei einem Treffen in Hamburg forderte der US-Investor Oaktree nach Informationen der Medien die Banken und Fondshäuser offenbar auf, ihre Kreditforderungen und Charterraten zu reduzieren. „Das ist eine vertrackte Situation“, sagt Claudia Lunderstedt-Georgi, die Geschäftsführerin des Erfurter Deutschen Verbraucherschutzrings e.V. (DVS). „Das Überleben der Reederei hängt nun also vom Verhalten der Banken ab. Die betroffenen Institute wie die Bremer Landesbank, die KfW Ipex oder die Nord/LB müssen sich nun überlegen, ob sie die Sanierung unterstützen. Anleger müssen in jedem Fall mit Verlusten rechnen.“

Die Banken bestimmen über das Weiterleben des „Weißwals“.

Die Amerikaner, die die Beluga Shipping bis Ende Mai finanziell restrukturieren möchten, wurden von Beluga selbst im vergangenen Jahr an Bord geholt. Für 175 Millionen Euro übernahm der US-Investor zunächst ein Drittel. Durch weitere Finanzspritzen erhöhten sie ihre Anteile auf aktuell 49,5 Prozent. Zuletzt bekam Oaktree vom Bundeskartellamt sogar die Genehmigung, Beluga ganz zu übernehmen.

Geschäftsführer bat um Beurlaubung – Bremer Staatsanwaltschaft führt Vorermittlungen durch.

Die Beluga Shipping GmbH wird mittlerweile von Oaktree-Manager Roger Iliffe geführt. Der Firmengründer Nils Stolberg hatte aus persönlichen Gründen um Beurlaubung gebeten. Oaktree hat schon  diesen Monat einige neue Mitarbeiter in die Reederei geholt. Parallel dazu wurden auch leitende Angestellte aus dem Charter- und Befrachtungsbereich ersetzt.

Wie Radio Bremen berichtete, hätte die Staatsanwaltschaft aufgrund einer Anzeige von Oaktree mittlerweile Vorermittlungen gegen Stolberg eingeleitet. Die Amerikaner erhoben den Vorwurf, über die wirtschaftliche Situation der Reederei nicht ausreichend informiert worden zu sein.

Die Situation Belugas könnte sich auch auf andere Schiffsfonds auswirken.

Schon beim Hamburger Emissionshaus HCI Capital sind mit der drohenden Insolvenz Belugas mehrere Tausend Anleger betroffen. Wie HCI-Sprecher Olaf Streuer bestätigt, finden sich in 17 der von HCI initiierten Schiffsfonds insgesamt 20 an Beluga vercharterte Schiffe. Dabei handle es sich überwiegend um sogenannte Dachfonds. Auf gut deutsch: Die Gelder der Anleger stecken auch in Schiffen, die an andere Reedereien verchartert wurden. Ob sich die drohende Insolvenz von Beluga auch auf diese Fonds auswirkt, kann aktuell noch nicht beurteilt werden.

Bei weiteren fünf Fonds der Oltmann-Gruppe verzeichneten vier Beteiligungs-Gesellschaften schon vorläufige Ausfälle von Charterraten von jeweils 250.000 bis 500.000 Euro. Auch Fonds der Emissionshäuser Elbe, Ownership und Nordkontor haben an Beluga Schiffe verchartert.

Kulturwandel in der Schifffahrtsbranche durch Finanzinvestoren.

Noch immer kontrolliert Deutschland mehr als ein Drittel der weltweiten Containerflotte. Allerdings wird die Konkurrenz aus Asien immer größer. So sind Finanzinvestoren aus dem Ausland bei Reedereien, die von Banken nur noch zögerlich Geld bekommen, gern gesehen. Die klassischen Modelle der Schiffsfinanzierung funktionieren seit der Finanzkrise nicht mehr richtig. Die Richtlinien zur Kreditvergabe sind bei den Schiffsbanken wie HSH Nordbank oder der Commerzbank deutlich strenger geworden. Neben Investoren wie Oaktree, sind auch andere Unternehmen der Privat-Equity-Branche – wie Apollo und First Reserve – in der Schifffahrt unterwegs. Die renditeorientierten Finanziers aus dem Ausland dürften bei Investitionen künftig wohl genauer hinschauen, als es deutsche Banken in der Vergangenheit getan haben. Mittlerweile interessieren sich auch sehr vermögende Privatpersonen für Investitionen in Schiffe.

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